FAQ: Der erste Besuch im Swingerclub

Geschrieben von Lynn


Ihr wollt Euer Sexleben aufpeppen, Euch ausleben, neue Leute kennenlernen oder wart einfach immer schon neugierig, ob es im Swingerclub tatsächlich so aussieht wie in den Reportagen des RTL2-Nachtprogramms? Mit anderen Worten: Ihr wart noch nie in einem Club, möchtet aber unbedingt (und traut Euch vielleicht nur noch nicht so recht)? Dann haben wir hier ein paar Informationen, die Euch vielleicht weiterhelfen.

Ich will nicht alleine in den Swingerclub gehen, mir wäre es lieber wenn meine Partnerin/mein Partner mich begleitet. Wie überzeuge ich sie/ihn davon?

Überzeugen ist vielleicht der falsche Ansatz, denn das klingt beinahe nach überreden. Freiwilligkeit sollte gegeben sein beim Gegenüber, sonst wird der Abend eine Katastrophe, egal wie sehr man sich bemüht. Schlagt also in einem entspannten Moment (bei einem Glas Wein, abends auf dem Sofa oder im Bett) vor, gemeinsam mal ein Abenteuer zu erleben. Klärt vorher eure Erwartungen, Wünsche, Ängste, Grenzen. Redet. Es ist der Schlüssel zu einem erfüllten Sexleben. Manche Menschen brauchen auch einfach ein bisschen Zeit, um mit einer Idee warm zu werden. Drängelt nicht, gebt Eurem Partner/ eurer Partnerin Raum und Zeit. Und dann klappt es vielleicht auch mit dem gemeinsamen Clubbesuch.

Erste Hürde geschafft, Ihr seid Euch einig geworden. Gemeinsam wollt Ihr die ersten Schritte in der Welt der Swinger wagen. Aber wo? Welcher Club passt zu Euch? Daheim ins Getümmel stürzen oder in eine fremde Stadt fahren?

Es gibt unzählige Clubs, in Großstädten manchmal eine ganze Hand voll, während man am Land eher mit der Lupe suchen muss, und die Clubs dort auch manchmal nicht so offensiv Werbung machen (wollen). Zuerst stellt sich die Frage: Sollte man lieber weiter weg fahren, um anonymer zu sein? In 8 Jahren Cluberfahrung bin ich NOCH NIE einer mir bekannten Person in einer, im nahen Umkreis liegenden, Location begegnet. Viele glauben nämlich, je weiter man wegfährt, desto „sicherer“ wäre man. Wenn alle so denken, hat man logischerweise ein Problem 😉 Daher würde ich auch von einer Örtlichkeit in der eigenen Wohnstadt nicht pauschal abraten. Überlegt Euch einfach, was praktisch ist und wo ihr mehr den Kopf ausschalten könnt. Liegt der Club nur 3 Querstraßen von der eigenen Arbeit entfernt? Müsst Ihr einen teuren Babysitter für 24 Stunden bezahlen, wenn Ihr weiter weg fahrt? Tut es Euch gut mal „rauszukommen“, vielleicht den Besuch mit einer Städtereise übers Wochenende zu verbinden oder einem Aufenthalt in einem Wellnesshotel?

Vielleicht meldet Ihr euch vorab auf einer Erotikplattform an (Google hilft ;)), denn diese führen meist Eventlisten und Clubregister, in denen Ihr nach Region oder Stichworten suchen könnt. Außerdem gibt es dort oft Anmeldelisten zu den Events, auf denen man vorher ein Bild machen kann, welche Personen an diesem Abend zu Gast sind. So findet man schnell Anschluss, kann vor dem Abend schon einmal Nachrichten austauschen, wenn man das möchte und sich verabreden.

Es gibt Clubs mit fester Ausrichtung (beispielsweise Paareclubs, nur Eintritt für Pärchen), mit BDSM-Einschlag (Kinky-Clubs, dort trifft man auf Freunde von Lack, Leder, Latex und generell der härteren Gangart), oder Partys mit speziellen Mottos (z. B. Herrenüberschuss, viele Solomänner sind anwesend oder 90er-Party mit entsprechender Musik/DJ). Die Größen der Clubs variieren, ebenso wie die Ausstattung (Saunen, Pools, Outdoorflächen, absperrbare Zimmer). Manche haben an einem gut besuchten Samstagabend 30 Besucher, andere 500. Macht euch Gedanken welche dieser Arten am besten zu euren Fantasien passt. Wo ihr Euch sicher mit dem Outfit fühlt etc.

Apropos Outfit? Hilfe! Was ziehe ich da eigentlich an? Und muss ich mich im brustfreien Minikleid oder im Tanga ins Auto setzen?

Grundsätzlich hilft es, vor einer Swingerparty auf der Website des Clubs (oder auf einem der erwähnten Erotikportale) die Beschreibung des Abends genau zu lesen. Meist gibt es da schon eine Rubrik „Dresscode“. Der Veranstalter legt fest in welchem Rahmen er welche Bekleidung erlaubt – und wenn Ihr euch nicht daran haltet, kann es sein, dass euer Clubabend schon an der Tür vorbei ist. Ihr tut Euch also einen Gefallen, wenn ihr den Text gut studiert oder ggf. einfach im Club anruft und euch erkundigt. Die Leute sind da im Normalfall sehr nett und offen und helfen Euch gerne weiter.

Niemand ist gezwungen, daheim erstmal brustfrei zur Garage zu spazieren. Im Gegenteil. Streift Eure Clubkleidung bitte erst im Club, genauer in den dafür vorgesehenen Umkleiden über. Warum? Ganz einfach: es ist nicht schön, wenn man nach 120 Kilometern im Auto, aufgeregt, schwitzend und in der Warteschlange vor dem Club im Zigarettenrauch stehend schließlich ankommt und das Cluboutfit dann schon nach Fitnessstudio riecht. Ihr versteht. 😉

Konkrete Tipps zum Cluboutfit für jeden Körpertyp und jedes Geschlecht gebe ich Euch gerne demnächst in einem eigenen Blogbeitrag. Das würde hier den Rahmen sprengen.

Angekommen, umgezogen, was nun? Der Schritt durch den Vorhang in die Clubwelt. Wie benehme ich mich, ohne unangenehm aufzufallen?

Am Eingang jedes Clubs wird der Eintritt bar entrichtet. Wenn ihr mögt, sprecht direkt den Mitarbeiter am Empfang an (wenn dieser euch nicht schon von alleine fragt: „Kennt Ihr uns? Seid Ihr schon mal hier gewesen?“), dass Ihr zum ersten Mal da seid. Die meisten Clubs bieten für Neulinge eine Führung an. Man zeigt Euch, wo die Toiletten sind, Spielzimmer, wo es Handtücher gibt usw. Nehmt dieses Angebot an, es hilft ungemein. Natürlich könnt Ihr auch auf eigene Faust auf Erkundungstour gehen.

Als erste Anlaufstelle empfehle ich Euch die Bar. Genehmigt Euch zur Einstimmung ein Glas Wein, oder Sekt, einen leckeren Cocktail, nehmt auf einem Barhocker platz – oder in einer der Lounges im Barbereich. Akklimatisiert Euch und trinkt eurer Getränk. Kommt erst mal einfach an. Nebenbei könnt Ihr den anderen Gästen zusehen wie sie kommunizieren, was sie anhaben und euch Inspiration holen. Nicht vergessen, Swingerclubs sind Orte mit einmaliger Atmosphäre: Ihr teilt mit allen Anwesenden ein Geheimnis und seid alle ein bisschen „nackt(er)“ voreinander, egal ob Friseur(in), Chefarzt/-ärztin oder Kaufmann/-frau.

Nun stehen Euch alle Möglichkeiten offen. Wollt Ihr eine Frau kennen lernen für einen FFM-Dreier? Wollt ihr einfach nur Sex vor Zuschauern versuchen (da empfehle ich Gloryhole-Kabinen = Räume mit Löchern in der Wand)? Möchtet Ihr eine Orgie erleben? Selbst wenn Ihr nur passiv sein wollt, kein Problem. Niemand kann Euch zu etwas zwingen. Die wichtigste Regel der Swinger: Nein heißt nein. Sagt deutlich, wenn Euch etwas nicht gefällt, wenn Euch jemand berührt und Ihr das nicht wollt, schiebt die Hand weg. In manchen Clubs geben die Betreiber den Männern den Rat, sich Frauen oder Paaren auf der Spielwiese zu nähern und durch „Handauflegen“ Interesse zu signalisieren. Bitte macht das nicht!!! Setzt euch gerne daneben, aber nehmt Blickkontakt auf, wenn keiner zustande kommt, ist das schon ein Zeichen. Wenn jemand den Kopf schüttelt, ist das ein „Nein“. Bleibt respektvoll. Und am leichtesten ist es ohnehin an der Bar, jemanden kennenzulernen. Auch hier wieder: Redet! Flirtet! Seid kommunikativ („Bist du oft/ zum ersten Mal hier? Wie gefällt es dir? Darf ich dir noch ein Glas XY bringen?“)! – Das führt häufiger zum Erfolg, als das Umschwärmen von Menschen, die gerade schon „bei der (schönsten Neben-) Sache (der Welt) sind“.

Achtet bitte auf Eure Gesundheit, in Clubs liegen überall Kondome aus. Meistens findet ihr sie in kleinen Schalen neben den Spielwiesen/Matten. Sexuell übertragbare Krankheiten machen auch vor Oralverkehr nicht halt.

Die wichtigsten Clubregeln auf einen Blick:

  • Nein heißt Nein! – wer sich nicht daran hält, fliegt aus dem Club, Betreiber verstehen da keinen Spaß.
  • Alles kann, nichts muss. Lasst euch nicht drängen, geht so weit wie ihr Euch wohlfühlt. Die Fantasie darf gerne ausgelebt werden, aber respektiert die Grenzen eurer Mitmenschen.
  • Safer Sex. Kein Pardon. Achtet auf eure Gesundheit. Es muss nicht gleich HIV sein, aber so ein paar Feigwarzen oder eine eklige Pilzinfektion verhageln einem ganz schön den nächsten Clubbesuch 😉
  • Duschen benutzen nach dem Sex. Wenn ihr auf den Spielwiesen aktiv wart, geht euch duschen. Niemand mag den Schweiß und die Körperflüssigkeiten usw. eines „Vorgängers“ schmecken. (Siehe vorheriger Punkt.)
  • Ein Handtuch muss drunter! Wenn Ihr in Dessous, ohne Höschen oder halb nackt im Club Platz nehmt (auf Sofas, Stühlen, im Ess- oder Barbereich, aber auch auf den Matten), legt bitte ein Handtuch unter. Hygienischer und angenehmer als an Kunstleder festzukleben und sich schmatzend wieder zu lösen. 😉 Auch die Matten werden so geschützt vor Sperma, Squirtingflüssigkeit, Speichel usw.
  • Räumt eure Hinterlassenschaften weg. Die Clubbetreiber sind bemüht, Euch ein erotisches Erlebnis zu verschaffen. Besonders die großen Clubs haben viel Personal, aber auch viele Räumlichkeiten, und Ihr tut allen einen Gefallen, wenn Ihr nach dem Spielen eure gebrauchten Gummis in den Müll werft und Eure Handtücher in die bereitstehenden Wäschekörbe gebt. Gleiches gilt für Besteck, Gläser und Teller am Buffet.

Autor: Lynn & Chris

Wir sind Lynn und Chris. Ein ganz normales Ehepaar. Genauer gesagt: Ein ganz normales, polyamor lebendes BDSM-Ehepaar. Dies sind unsere Geschichten.

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