Swingerclub-Neuland: danach

Geschrieben von Chris


Fortsetzung von Swingerclub-Neuland: davor

Pläne sind eine feine Sache. Sie geben Sicherheit, strukturieren Dinge – und doch ist es manchmal angebracht, sie einfach spontan über den Haufen zu werfen. Zumindest teilweise. Gestern war so ein Fall.

Wie bereits erwähnt: Wenn wir in den Club gehen, bleiben Lynn und ich normalerweise zusammen. Das heißt nicht, dass wir Kontakt mit anderen Menschen ausschließen, aber wir legen es nicht unbedingt drauf an. Stattdessen lassen wir uns einfach treiben und sehen, wohin uns der Abend führt.

Gestern war das anders geplant – entsprechend anders hat sich die Vorbereitung angefühlt. Normalerweise ist es so: Schon wenn wir uns für den Clubbesuch fertig machen, bilden wir eine Einheit. Das ist schwer zu erklären, weil wir natürlich nicht immer das gleiche machen (und ich für meine Vorbereitungen etwa 10 Prozent der Zeit brauche, die Lynn aufwendet) aber das ändert nichts am Gefühl der Gemeinsamkeit.

Gestern dagegen war es so, als würden wir uns getrennt fertig machen. Jeder für sich. Zum Teil lag das sicherlich an meiner Anspannung, zum Teil aber vermutlich auch einfach generell an der angedachten Trennung für den Abend. Ich kann das schwer in Worte fassen, weil wir eigentlich nichts anders gemacht haben als sonst, aber trotzdem war es anders. Kühler. Einfach irgendwie falsch. Besonders für Lynn tat mir das leid,  weil bei ihr die Stunden vor dem Clubbesuch stets angefüllt sind mit Musik, Vorfreude und Hibbelei. Gestern war davon kaum etwas zu merken.

„Wollen wir die Sache abblasen und doch gemeinsam gehen?“, fragte mich Lynn dann rund eine halbe Stunde vor dem Aufbruch. Ich verneinte. Denn ich wollte mich dieser ganzen Sache stellen. Ich hasse es, mich vor Herausforderungen zu drücken. „Wie wäre es, wenn wir zumindest am Anfang zusammen bleiben und uns die Zeit nehmen, erst mal gemeinsam im Club anzukommen?“, setzte Lynn dann ein paar Minuten später noch einmal nach. „Das würde mich sehr freuen“, antwortete ich, ohne groß darüber nachzudenken. Und das war das Beste, was wir hätten tun können, denn damit nahm ein wunderbarer Abend seine Lauf.

Wir kamen gegen 20.30 Uhr an, genehmigten uns einen Gin Tonic an der Bar, gingen essen – und dann ließen wir uns einfach treiben. Wir wanderten durch den Club, ließen uns an einer anderen Bar nieder, tranken noch einen Gin Tonic – und kamen ganz von alleine immer wieder mit anderen Leuten ins Gespräch. Lynn mit irgendwelchen Pärchen, ich mit zwei jungen Damen – und irgendwann gegen 22:30 tippte mir Lynn auf die Schulter. Ihre Lippen formten ein lautloses „ich gehe mal“. Ich gab ihr einen Kuss und ließ sie ziehen.

Eine Weile plätscherte mein Gespräch mit den beiden Damen noch vor sich hin. Zwar an sich recht oberflächlich, dennoch aber angenehm. Als das Gespräch dann langsam einschlief, machten sich die beiden auf den Weg durch den Club. Ich blieb noch kurz an der Bar sitzen und kam nach kurzer Zeit mit einem Paar ins Gespräch, mit dem ich ebenfalls noch ein paar Minuten smalltalkte. Als sich dann auch diese Unterhaltung langsam wieder verflüchtigte, machte ich mich zu einer Runde durch den Club auf. Ziellos. Und auch wenn ich alleine war, so habe ich mich doch in diesem Moment nicht einsam gefühlt. Ich ließ mich treiben, wanderte von Raum zu Raum, blieb gelegentlich stehen, wenn ich irgendwo ein inniges Treiben (welcher Art auch immer) sah. Es war schön. Einfach schön.

Irgendwann – ich hatte zu dem Zeitpunkt schon ein wenig mein Zeitgefühl verloren – kehrte ich wieder in den den Barbereich zurück, wo ich auch Lynn wiederfand. Rund eine Stunde war mittlerweile vergangen, ohne dass ich das wirklich realisiert hatte. Sie erzählte mir strahlend, dass sie im BDSM-Bereich irgendeine namenlose, niedliche Sklavin gefingert und zum Abspritzen gebracht hatte – und wie schön sie es fand, einfach fliegen zu dürfen. Wir umarmten uns, küssten uns – und dann waren wir an der Reihe.

Ich führte sie in den BDSM-Bereich, ließ sie sich auf einen großen Bock legen – auf dem Rücken und mit gespreizten Beinen. Dann ließ sich sie ein wenig mit sich selbst spielen, bevor ich sie schließlich mit dem Magic Wand zum Höhepunkt brachte (und mir den Spaß gönnte, das vibrierende Monster noch etwa eine Minute auf ihre Klitoris zu drücken, während sie sich stöhnend und keuchend auf dem Bock wand). „Bitte nach Hause“ flüsterte sie mir ins Ohr, während ich sie anschließend festhielt und noch etwas streichelte.

Auf dem Weg in die Garderobe begegnete mir eine der Damen, mit denen ich mich vorher an der Bar unterhalten hatte. Sie kam mir entgegen, wir sahen uns an, lächelten, und als wir uns aneinander vorbeidrückten, streichelte sie für einen kurzen Moment wortlos meine Brust. Und auch wenn diese Geste höchstens zwei Sekunden gedauert hatte, so muss ich doch sagen: Es war einfach ein tolles Gefühl.

Und so gingen wir nach Hause. Und wir waren glücklich.

Ich bin sehr froh, dass wir nicht an dieser starren Trennung für den Abend festgehalten haben, denn das hätte sich einfach unnatürlich angefühlt. Und nur dadurch, dass wir unseren Plan mehr oder weniger über den Haufen geworfen hatten, wurde dieser Abend zu einem rundum perfekten Abend.

Es ist eben wirklich so: Die schönsten Erlebnisse hat man meist, wenn man den Dingen einfach ihren Lauf lässt.

Autor: Lynn & Chris

Wir sind Lynn und Chris. Ein ganz normales Ehepaar. Genauer gesagt: Ein ganz normales, polyamor lebendes BDSM-Ehepaar. Dies sind unsere Geschichten.

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