Swingerclub-Neuland: davor

Geschrieben von Chris


Ich muss gestehen: Je älter man wird, desto merkwürdiger wird das Gefühl, wenn man Neuland betritt. Und noch etwas merkwürdiger wird es, wenn ich bedenke, dass mein Neuland für die Frau an meiner Seite, die fast 20 Jahre jünger ist als ich, schon seit acht Jahren zum normalen Alltag gehört.

Ohne sie wäre ich vermutlich nie in einen klassischen Swingerclub gegangen. Nicht unbedingt mit einer Partnerin – und alleine schon gar nicht. In BDSM-Clubs war ich bereits vorher. Aber Swinger? Nein. Nicht meine Welt. Dachte ich. Bis sie mich gewissermaßen an der Hand nahm und mir diese faszinierende Welt zeigte.

Seit 2014 gehen wir gemeinsam in Clubs. Oft genug, dass ich mich dort mittlerweile mit der gleichen Selbstverständlichkeit bewege wie sie selbst. Und doch steht mir heute Neuland bevor.

Es ist Samstag, der 10. März, als ich diese Zeilen schreibe. 14.30 Uhr. Heute Abend gehen wir wieder einmal in den Swingerclub – aber anders als sonst. Wenn wir bisher in Clubs waren, waren wir eigentlich immer als Einheit dort. Welche Art von Party auch immer es war – CMNF, BDSM, Wifesharing, stinknormale Swingerparty – wir waren stets zusammen unterwegs und blieben meist unter uns. Heute wird sich das ändern.

Lynn meinte, dass sie es unglaublich spannend fände, wenn wir einmal getrennt, aber dennoch “im gleichen Revier auf die Jagd gehen” würden, wie sie es nannte. Ich war erst einmal skeptisch, fand die Idee dann aber doch sehr reizvoll, da das heute auch noch eine normale Party ohne jeden noch so kleine BDSM-Einschlag ist. Und dennoch stehe ich nun da mit meinen fast 44 Jahren. Und denke mir: Fuck. FUCK.

All meine Beziehungen vor Lynn sind aus zufälligen Bekanntschaften heraus entstanden. Die Dinge sind einfach so passiert. Anders gesagt: Ich habe in meinem Leben noch nie eine Frau angesprochen. Ich habe generell keinerlei Probleme, Frauen oder Männer anzuquatschen und mich mit ihnen stundenlang zu unterhalten. Ich bin also durchaus kontaktfreudig und würde mir auch eine gewisse Eloquenz unterstellen – aber all das fand in der Vergangenheit immer außerhalb eines sexuellen Kontextes statt. Sollte ich da heute allerdings nicht meine Komfortzone verlassen (oder nicht zufällig so eine Verrückte wie Lynn durch den Club hüpfen, die auch mal von sich aus einen Mann anspricht), wird das ein langer Abend. Ein langer, langer, langweiliger Abend. Denn die Idee ist: Wir kommen zusammen an – und gehen wieder zusammen – alles dazwischen läuft getrennt. Zwar nicht als strikte und unumstößliche Regel, aber so ist zumindest der Plan.

Ich war nie ein Jäger, zumindest nicht im klassischen Sinne – und im Club sowieso nicht, da mir Sex mit einer Unbekannten wenig bis nichts gibt. Eine Frau ist für mich mehr als nur ein Körper, in den man einen Penis stecken kann. Wenn mich ihre Persönlichkeit nicht anspricht, geht körperlich bei mir gar nichts (wozu ich auch ein Erlebnis auf Lager habe, das eigentlich mal einen eigenen Blog-Eintrag wert wäre).

Ich glaube, mir wurde da eine eher weibliche Form der Sexualität mitgegeben, denn würde – drastisch ausgedrückt – eine Frau im Club zu mir kommen und einfach direkt fragen: “Lust zu vögeln?” würde ich vermutlich antworten: “Hi, ich bin Chris. Wie heißt Du? Wollen wir uns nicht erst ein wenig unterhalten?”. Ist vermutlich auch etwas, was man als Frau im Club eher selten von einem Mann hört.

Und so bleibt es mir nur, mein Bestes zu tun. Smokinghose, weißes Hemd, schwarze Hosenträger, darüber eine schwarze Anzugweste. Gelegentlich ein verschwörerisches Augenzwinkern zu Lynn, falls sie mir über den Weg läuft – und mich ansonsten einfach mal dieser Herausforderung zu stellen.

Herausforderungen sind ja gemäß dieses geflügelten Wortes die Dinger, mit denen man wächst. Oder irgendwie so.

Ich werde berichten.

Autor: Lynn & Chris

Wir sind Lynn und Chris. Ein ganz normales Ehepaar. Genauer gesagt: Ein ganz normales, polyamor lebendes BDSM-Ehepaar. Dies sind unsere Geschichten.

2 Kommentare zu „Swingerclub-Neuland: davor“

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