Mein erster Swingerclubbesuch

Geschrieben von Lynn


Ein ziemlich langweiliger, vorlesungsfreier Tag vor 7 Jahren. Ich war gerade 18 geworden und in einer sexuell unglücklichen, ersten Beziehung gefangen, mit dem inneren Drang Neues erleben zu wollen, beschloss ich ein Abenteuer anzugehen.

Meinen ersten Swingerclubbesuch.

Ich war frustriert von den häufigen Streitigkeiten mit meinem Partner, seiner Verklemmtheit und Ignoranz mir und meinen Wünschen gegenüber. In einer der letzten Diskussionen hatte er mir an den Kopf geworfen: “Dann geh halt mal in so einen Club. Ist mir auch egal.”

Natürlich wusste ich, dass er nur verletzt war, das nicht ganz ernst meinte. Aber ich war in diesem Moment noch zu jung, zu unerfahren, vielleicht auch einfach ein Stück weit zu egoistisch, um richtig mit der Situation umzugehen. Also nutzte ich den falschen Freifahrtschein nur zu gerne und begab mich in seiner Abwesenheit auf die Suche.

Er war übers Wochenende auf Heimatbesuch in einer anderen Stadt und ich alleine in unserer Studentenwohnung geblieben.

Nach dem späten Frühstück setzte ich mich experimentierfreudig mit dem Laptop aufs Sofa und googelte nach Adressen. Fündig wurde ich schließlich in der Erotikcommunity, in der ich seit einigen Wochen ein Profil pflegte und heimlich mitlas.

Der dortige Veranstaltungskalender verriet, dass in der nahegelegenen Großstadt ein Swingerclub an diesem Abend eine interessante Party stattfinden sollte. Ich las mir die Beschreibung des Events durch (ein Abend für Paare und Damen, die Bi – Kontakte knüpfen wollten, der auch speziell für Anfänger geeignet sei) und war angetan. Ein paar Minuten später durchforstete ich meine – damals noch recht mager bestückte – Dessousschublade und entschied mich für ein schwarzes Satin-Negligee und halterlose Nylonstrümpfe. Dazu mein einziges Paar Pumps (ein Überbleibsel vom Abiball) und eine kleine Handtasche.

Mit drei Klicks registrierte ich mich auf der Online-Gästeliste. Mit dieser Verbindlichkeit überkam mich die Nervosität. Würde ich da hinein passen? Anschluss finden? Was war dran an den Klischees der Nachtreportagen über solche Partys? Konnte die Realität mit meinen Fantasien mithalten? Würde ich mich auf Kunstledersofas in Tigerbettwäsche mit Schlager im Ohr wiederfinden? Zumindest die Website des Clubs versprach mehr: weitläufige Räumlichkeiten, DJ und Tanzfläche, Bar und Buffet, moderne Einrichtung, saubere und luxuriöse Sanitäranlagen, Sauna und Whirlpool.

Zudem 300 Besucher auf der Anmeldeliste.

Die Gedanken schob ich für ein paar Stunden beiseite und beschäftige mich mit Lernen für die Uni.

Am Nachmittag schaltete ich laute Musik an, sprang unter die Dusche, rasierte mich, lackierte meine Nägel und machte mir die Haare. Danach packte ich die nötigen Utensilien in meine Handtasche, zog mich an, beendete mein Make-up und checkte die Uhrzeit. Einlass war um 20 Uhr, bis zum Bahnhof benötigte ich knappe dreißig Minuten und eine weitere halbe Stunde in die Stadt. Eilig verließ ich das Haus, um um kurz vor 20 Uhr mit zittrigen Knien aus dem Taxi zu steigen.

Gehalten hatte es am Ende einer Sackgasse in der fremden Stadt, mitten in einem Industriegebiet. Orientierungslos irrte ich um den Häuserblock, bis ich vor einem schwach beleuchteten Klingelschild und einer sehr normalen Eingangstür zu stehen kam. Mit der Tatsache klingeln zu müssen hatte ich nicht gerechnet. Mehr Überwindung war nötig als gedacht. Ich brach ab, stöckelte noch einmal um das Gebäude und sammelte meinen Mut. Ich hatte über eine Stunde Weg auf mich genommen, riskierte meine Beziehung, strapazierte meine Studentenkasse mit den Ausgaben für das Zugticket… Jetzt umzukehren würde mich außerdem selbst enttäuschen.

Also nahm ich meinen Mut zusammen und drückte auf den Knopf. Ein Summton erklang, die Tür öffnete sich und ich gelangte in ein Treppenhaus, dem ich ganz nach oben folgte.

Zum Glück stand vor mir ein paar am Einlass, so konnte ich beobachten wie das Ritual ablief: die Zwei nannten ihren Nicknamen aus der Erotikcommunity, reichten den Eintritt über den Tresen, bekamen die Nummern ihrer Schließfächer aufs Handgelenk geschrieben und man drückte ihnen Handtücher und Schüssel in die Hand. Nun war ich dran und machte Alles nach, wie eben gesehen.

Und drin war ich. Ich folgte dem Paar in die Umkleide, dort war es schon recht voll, Frauen zwängten sich in Korsetts, Männer in Netzhemden. Ich stolperte in dem Raum etwas verwirrt herum, auf der Suche nach der Nummer meines abschließbaren Schrankfachs. Zu konzentriert auf die Zahlen an den Schlössern, stieß ich mit einer Brünetten zusammen, die sich gerade ihre High Heels anzog. Die Frau lachte, aber sehr freundlich, fragte mich, ob sie mir helfen könne, weil ich einen leicht konfusen Eindruck machte. Dankend nahm ich an. Sie fragte, ob das mein erster Besuch sei. Ich bejahte. Sie war mir sofort sympathisch und ich nahm ihr Angebot, mir den Club zu zeigen, dankend an. Nachdem wir uns umgezogen hatten, ging es an die Bar. Erstmal ein Wasser trinken. Ich war ziemlich aufgeregt, mein Mund trocken und ich war froh über die kurze Pause auf dem Barhocker, so konnte ich mir den Raum in Ruhe anschauen. Eine lange Bar, viele Menschen, laute Musik aus den Boxen, ein fähiger DJ, einige Leute tanzten schon und eine Frau wickelte sich wild um eine Poledance-Stange. Es war ziemlich gemütlich durch die stimmungsvolle Beleuchtung, die zwar schwach, aber ausreichend war. Ein Mann kam auf uns zu. Meine Begleiterin stellte ihn mir als ihren Ehemann vor. Auch er war ein freundlicher Typ, wie sie, etwa Ende dreißig.

Die Beiden zeigten mir den Speisesaal, die Spielzimmer, erläuterten mir das übliche Swingervokabular. Die Regeln. “Nein heißt nein, Alles kann, Nichts muss.” Und wichtig: Handtücher unterlegen, wenn man sich irgendwo hinsetzen oder -legen will.

Ich taute auf, traute mich nackt mit dem Paar in den Whirlpool. Genoss die Aufmerksamkeit. Mir war damals noch nicht klar, wie selten Singledamen (und dazu auch noch blutjunge) im Swingerclub sind.

Ließ mich treiben und sog die Atmosphäre in mich auf, die Hemmungslosigkeit und Lust. Das Befreite in diesem Publikum. Wie sie sich Alle hingaben und die Grenzen des üblich Schicklichen sprengten. Ich war extrem beeindruckt und wusste, ich würde wiederkommen.

Mehr zu diesem Abend im bald folgenden Teil 2.

Autor: Lynn & Chris

Wir sind Lynn und Chris. Ein ganz normales Ehepaar. Genauer gesagt: Ein ganz normales, polyamor lebendes BDSM-Ehepaar. Dies sind unsere Geschichten.

Ein Gedanke zu „Mein erster Swingerclubbesuch“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s